Fachausschuss Junge


Über uns

Der Fachausschuss kümmert sich um die Interessen von jungen Journalistinnen und Journalisten. Wir organisieren verschiedene Veranstaltungen, kümmern uns um die Vernetzung der jungen Kolleginnen und Kollegen innerhalb des Verbandes und setzen uns für deren Interessen ein.
 
In dem Fachausschuss arbeiten mit:
Gregor Landwehr, KV Neckar-Alb, Julia Schweizer, KV Stuttgart,
 Anna Suckow, KV Mannheim/Heidelberg,

Dominik Egger, KV Rhein-Neckar, Markus Pfalzgraf, KV Stuttgart.


Ein offenes Ohr für die Probleme

Fachausschüsse Betriebsratsarbeit, Tageszeitungen und Junge suchen den Kontakt zu den Volontären / Ideengruppe gegründet / Thema Sexismus aufgegriffen

 

Von Christoph Holbein

 

Die Situation ist wenig rosig: In einigen Zeitungsverlagen findet keine wirkliche Ausbildung für die Volontäre statt, vielmehr werden die jungen Nachwuchsjournalisten als billige Arbeitskräfte eingespannt und müssen personelle Lücken schließen. Das hat eine Umfrage des DJV Baden-Württemberg unter den Volontären und den Betriebsräten ergeben zum Thema, wie der neue Ausbildungstarifvertrag an den Tageszeitungen umgesetzt wird. Mit den Ergebnissen dieser Erhebung haben sich nun die drei Fachausschüsse Betriebsratsarbeit, Tageszeitungen und Junge bei einer Sitzung in der DJV-Landesgeschäftsstelle in Stuttgart auseinandergesetzt. Dabei zeigte sich, dass die Lage unterschiedlich ist. Es durchaus Häuser gibt, in denen relativ gute Ausbildungsbedingungen vorherrschen. Vor allem zwischen regionalen, kleineren Blättern und größeren Einheiten kommt es zu Unterschieden in der Qualität der Ausbildung. Einig waren sich die Gremiumsmitglieder, dass ein Problembewusstsein zu schaffen und in die Öffentlichkeit hinein zu wirken ist, dass gute und fundierte Ausbildung geleistet werden muss. Damit einher geht, in Kontakt mit den Ausbildungsredakteuren zu kommen, um diesen auch Hilfen seitens des DJV anzubieten, wobei auch kritisch angemerkt wurde, dass die theoretische Ausbildung in der Journalistenakademie des DJV da noch Luft nach oben habe. Das korrespondiert auch mit der Umfrage, in der die Befragten den Wunsch nach mehr Anleitung, mehr Feedback, mehr Schulung und nach mehr Seminaren geäußert haben, ein Gebiet, auf dem der DJV als Partner auftreten könnte. Ähnliches gilt für das Thema Mindestlohn bei Volontären, bei dem der DJV auf der politischen Ebene Druck machen sollte.

 

Ein Weg sei, in die Betriebe zu gehen, in denen die Defizite in der Ausbildung offenkundig seien, und mit den Geschäftsführungen ins Gespräch zu kommen. Angedacht wurde auch, eine kleine Kampagne in den sozialen Medien zu starten. Es gehe darum, die Volontäre über ihre Rechte aufzuklären. Deshalb kam der Gedanke auf, SharePics zu erstellen: markante Bilder, die aus der Fülle der Bilder und Texte in den sozialen Medien herausstechen und Aufmerksamkeit erzeugen. Dabei geht es bei einem SharePic, wie der Name schon sagt, vor allem darum, dass es geteilt wird, um die Reichweite zu steigern. Es geht also um ein aussagekräftiges Bild mit einem kurzen, knackigen Text, das durch seinen Inhalt den Betrachter emotional berührt und von ihm gerne geteilt wird. Um ein solches Projekt zu verwirklichen, ist ein kleines finanzielles Budget notwendig im mittleren 100-Euro-Bereich. Um dieses Vorhaben weiter zu verfolgen, bildete sich aus den drei Fachausschüssen eine kleine vierköpfige Gruppe, die Ideen und Vorschläge erarbeiten wird.

 

Ein Augenmerk sei auch auf die Seminare bei JA und JBB zu richten. Dabei regten die Gremien ein Qualitätsmanagement an mit Feedback-Bogen und Evaluation.

 

Thema bei der Sitzung war daneben, dass es immer wieder Verstöße in den Tageszeitungen gibt gegen das Gebot, redaktionellen Inhalt und Werbung zu trennen. Deshalb entschlossen sich die drei Fachausschüsse, zu dieser Problematik den Presserat zu kontaktieren und dort mit Blick auf Verstöße, die den Gremien vorliegen, nachzufragen.

 

Aufgegriffen haben die drei Fachausschüsse auch die Sexismus-Debatte. Da kam der Vorschlag, in die Betriebe hineinzuhören, um dort nachzuspüren, wie der Umgang mit Frauen aussieht. Die Gremiumsmitglieder stellten zudem die Frage, was der DJV-Landesverband Baden-Württemberg hier leisten kann, etwa über die sozialen Kanäle mögliche Übergriffs-Fälle publik zu machen, eventuell eine Kampagne zu starten. Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Vertreter des DJV das konkret auf der Betriebsebene ansprechen sollten, etwa bei Betriebsversammlungen, um dafür vor Ort zu sensibilisieren. Eine weitere Idee ist, dazu seitens des DJV Schulungen oder Seminare anzubieten, in denen die Teilnehmer lernen, wie sie dieses heikle und sensible Thema richtig angehen. Zudem appellierten die drei Fachausschüsse an die örtlichen Betriebsräte, in ihren Belegschaften hellhörig zu sein.  

 

Neueste Informationen erfuhren die Teilnehmer aus der ersten Runde der Tarifverhandlungen für die Gehälter der Tageszeitungsredakteurinnen und –redakteure. Dabei wurde in die Runde auch nach der Bereitschaft in den Häusern gefragt, sich an eventuellen Warnstreiks zu beteiligen. Angemahnt wurde eine bessere Kommunikation. In diesem Zusammenhang wollen die Fachausschüsse einen Antrag an den Landes-Gewerkschaftstag in Karlsruhe stellen, erneut vorzuschlagen, bei künftigen Tarifverhandlungen regional zu verhandeln, um einen Pilotabschluss zu erreichen. Angesichts ständig zunehmender prekärer Beschäftigungssituationen schlugen die Teilnehmer vor, darauf entsprechend in der Beitragsstruktur des DJV-Landesverbands zu reagieren mit einem geringeren Beitrag oder einer Härtefall-Regelung. Auch die Frage nach einer Kampagne mit Blick auf die Betriebe, die nicht mehr tarifgebunden sind, kam auf den Tisch. Das soll im Landesvorstand angesprochen werden.


Berichte vergangener Veranstaltungen


Faszinierend, aber kompliziert.

Fachausschuss Junge Journalisten beschäftigt sich mit Drohnen.

Vor zehn Jahren ging es los, so der SWR-Journalist Thomas Hoeth. Damals wollte jeder Filmemacher Drohnenaufnahmen in seinen Beitrag einbauen. Diese Euphorie hat sich mittlerweile gelegt. Und die Teilnehmer beim „Drohnentag“, zu dem der Fachausschuss Junge Journalisten in die Geschäftsstelle eingeladen hatte, lernten sinnvolle Einsatzfelder für Drohnen kennen, und sie erfuhren, was es mit der neuen Drohnenverordnung alles zu beachten gilt.

Thomas Hoeth, der als Filmemacher viele Dokus für den SWR produziert, hatte einige Beispiele mitgebracht. Die sanften Hänge an den Ausläufern des Schwarzwaldes etwa, von einer Drohne wurde hier die Schönheit der Landschaft in Szene gesetzt. Schöne Landschaften mit einer ungewöhnlichen Perspektive zu zeigen ist eines der Einsatzfelder für Drohnen. Ein anderes: Dimensionen zeigen und einen Perspektivwechsel bieten. „Wenn ich etwas belegen will, ist eine Drohne ein zusätzliches Mittel“, so der Filmemacher.
 
„Eine Drohne kann Orientierung bieten“, so Hoeth. Bei einem Film über die Stuttgart21-Baustelle fliegt die Drohne aus der Baugrube und öffnet den Blick über den Stuttgarter Hauptbahnhof. Bilder, wie sie mit der neuen Drohnenverordnung nicht mehr so einfach möglich wären.
 
Der neuen Verordnung hat der Bundesrat am 10. März zugestimmt, der Bundeverkehrsminister möchte damit die Sicherheit im Luftraum erhöhen: „Je mehr Drohnen aufsteigen, desto größer wird die Gefahr von Kollisionen, Abstürzen oder Unfällen. Für die Nutzung von Drohnen sind deshalb klare Regeln nötig“, so Verkehrsminister Dobrindt. Grundsätzlich verboten ist durch die Verordnung der Betrieb von Drohnen in und über sensiblen Bereichen wie Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Menschenansammlungen oder Hauptverkehrswegen, wozu auch Bahnanlagen gehören.
 
„Spontan fliegen ist nicht“, so der Kameramann Axel Frank. Er dreht regelmäßig mit Drohnen, daher weiß er, wie wichtig die Planung ist. Mindestens sechs Wochen braucht das Regierungspräsidium um eine entsprechende Genehmigung zu erteilen. Dazu kommt noch das natürlich auch die Bildrechte geklärt werden müssen. Und manche Themen lassen sich grundsätzlich nicht mit einer Drohne umsetzten. „Über Menschen fliegen ist verboten.“ Wenn mehr als 12 Menschen in der Nähe sind, dürfe eine Drohne nicht fliegen. Bis zu 40.000 Euro Bußgeld können fällig werden, wenn man sich nicht an die Drohnenverordnung hält. Spontane Drohnenaufnahmen, etwa bei einem Unfall, lassen sich also nicht realisieren.

Neu ist auch, dass bei größeren Drohnen, die mehr als 2 Kilogramm wiegen, ein Eignungstest  abgelegt werden muss. Dieser „Drohnenführerschein“ ist jedoch ein rein theoretischer Test der ab dem 1. Oktober Pflicht ist.

Für die meisten Redaktionen dürften kleinere Drohnen ausreichend sein, Einsteigermodelle gibt es schon für wenige hundert Euro. Es empfiehlt sich, so Axel Frank, mit kleineren Drohnen anzufangen und das Fliegen zu üben. „Es ist gefährlich, wenn man es nicht kann“, so der Kameramann. Grundsätzlich, so auch die neue Verordnung, dürfen Drohnen nur in Sichtweite geflogen werden. Eine europaweite Vorschrift für den Einsatz für Drohnen ist im kommenden Jahr geplant. „Gerade für junge Journalisten ist es wichtig, sich mit neuen technischen Entwicklungen zu beschäftigen. Drohnen bieten dabei viele Möglichkeiten, die nähere Beschäftigung damit zeigt aber auch, dass der Einsatz gut geplant sein muss“, so das Fazit des FA-Vorsitzenden Gregor Landwehr.


Datenwerkstatt zum Thema Kartenjournalismus

Informatik und Journalismus ergeben zusammen angewendet Datenjournalismus. Noch ist das eine Nische. Und in dieser agiert Michael Haas, den der Fachausschuss Junge Journalisten zur Datenwerkstatt eingeladen hatte. Der Münchner ist Medieninformatiker und weiß, wie Daten journalistisch genutzt und dem Leser anschaulich präsentiert werden können. Dazu braucht es beispielsweise Programme wie CartoDB, Mapbox, Google Maps, Quvis, Leaflet oder Open Street Maps, um nur einige Werkzeuge zu nennen, die genutzt werden können und deren Anwendung die Teilnehmer erlernten. Diese Tools und speziell Google seien die Schnittstelle von Journalist, Designer und Developern, erklärte Haas. Dass man auch als Einzelner Daten informativ und schick darstellen kann, machte Haas vor, die Teilnehmer probierten es an den Laptops gleichzeitig aus. Was ist alles möglich? Bei Wahlen lässt sich der Datensatz mit Geodaten verknüpfen. Mit Daten des Katasteramtes können Unwetterkarten oder eine Blitzer-Bilanz enstehen. Um zum Beispiel zu zeigen, wo im Berlin 1945 zerstörte Denkmäler standen, werden Geodaten aus Wikipedia oder Google ausgelesen und können dann auf einer Luftaufnahme aus der damaligen Zeit als Punkt gesetzt werden. Um die entsprechenden Daten, zum Beispiel des statistischen Bundesamts, auf passende Karten zu bekommen sind gute Anlaufstellen das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Behörden, Natural Earth und Geofabrik.

Eines ist aber auch klar: All das braucht Vorbereitung und Zeit. Wenn das zusammen kommt, können aber aus abstrakten Daten verständliche sowie lesens- und sehenswerte Stücke entstehen. „Durch Veranstaltungen wie diese bringen wir Journalisten und Programmierer zusammen. In Zukunft wird das eine unverzichtbare Kompetenz sein für jeden der Journalistisch arbeitet“, so der Fachausschuss-Vorsitzende Gregor Landwehr.


Digitaler Erste-Hilfe-Kurs für Journalisten

Cryptoparty des FA Junge
GNuPG, OTR, Keepass und CCC – auch für viele langjährige Computernutzer sind diese Begriffe immer noch recht kryptisch. Doch das gilt nicht mehr für die Teilnehmer der Cryptoparty des Fachausschuss Junge Journalisten. Doch wozu sollte man überhaupt seine Mails oder Chats mit GNuPG oder OTR verschlüsseln? Reichen nicht auch einfach Passwörter, vor allem, wenn man unterschiedliche verwendet und sich die mithilfe von Programmen wie Keepass merken kann?

Daten sind ausgelagerte Gedanken
„Nein, nicht nur“, so die klare Antwort von Jochim Selzer, Mitglied im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung des Chaos Computer Club. Denn Privatheit sei eine Voraussetzung für Freiheit, und Dateien so etwas wie ausgelagerte Gedanken. Zudem gehe es insbesondere für Journalisten ebenso darum, ihre Kontakte zu schützen. Und so bot er den 13 Teilnehmern, von denen die meisten zuvor kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatten und es aufgrund der Einbindung in den Redaktionsalltag bislang zu keinem entsprechenden Kurs geschafft hatten, einen halben Samstag lang einen „Digitalen Erste Hilfe-Kurs“. Dabei gab er einen Einblick in die Möglichkeiten von Verschlüsselung etwa von Mails oder Datenträgern, aber auch ins anonyme Surfen. Kein einfaches Thema: das zeigten seine Erläuterungen, welche Logik hinter dem Prinzip der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung steckt.


Praktisch erfahren konnten die Teilnehmer dieses Prinzip anschließend. Schon nach wenigen Minuten und dank eines neu installierten freien Mailprogramms und verschiedenen Add-ons wurden fleißig verschlüsselte Mails testweise hin- und hergeschickt. Zudem konnten die entsprechenden Dateien mit weiteren hilfreichen Tipps sicher auf einem Rechner abgelegt werden. Selzer gab dabei auch Antworten auf die Frage, wie man sicher gehen könne, dass ein Schlüssel auch tatsächlich zu der gewünschten Person gehört.


Für die Teilnehmer war das Seminar ein gelungener Einstieg in das Thema Datensicherheit – das leider, so das Fazit, zu kurz war. Doch es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich der FA damit befasst hat. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass das Thema uns dauerhaft begleiten wird. Grade daher war es wichtig, hier ein Angebot zu machen, um sich unkompliziert und  ohne hohe Einstiegshürden mit dem Thema zu beschäftigen“, so der FA-Vorsitzende Gregor Landwehr.