Auf der Suche nach neuen Wegen:  Die beiden Fachausschüsse Betriebsratsarbeit und Tageszeitungen wollen ein Netzwerk in die Betriebe aufbauen

Von Christoph Holbein   

Stuttgart (30.03.2019) Die Probleme ähneln sich: Rückgänge bei den Anzeigenverkäufen und den Auflagen, laute Newsrooms, Personalnot in den Redaktionen, die Suche nach geeigneten Volontären, Redaktionen am Limit, Unsicherheiten bei der Online-Strategie, schlechtes Betriebsklima – die Mitglieder der beiden Fachausschüsse Betriebsratsarbeit und Tageszeitungen haben sich in Stuttgart bei ihrer jüngsten gemeinsamen Sitzung über die Lage bei den Printmedien ausgetauscht. 

Als ein wichtiges Thema haben sie dabei erkannt, neue Mitglieder für den Deutschen Journalistenverband (DJV) in den Betrieben zu gewinnen. Deshalb wollen die beiden Fachausschüsse versuchen, Kontakte in die Unternehmen zu knüpfen, um mit Betriebsräten vor Ort ins Gespräch zu kommen. Eine Idee dabei ist, direkte Kontakte zu Betriebsräten herzustellen, mit den beiden Fachausschüssen vor Ort zu gehen, um mit den dortigen betriebsrätlichen Gremien an einen Tisch zu sitzen und über die Sorgen und Nöte der Beschäftigten in den Unternehmen zu sprechen mit dem Augenmerk darauf, was der DJV dabei helfen, wo er Unterstützung geben kann.

Ein weiteres Themenfeld, dass die beiden Fachausschüsse beschäftigen und begleiten wird, weshalb sie es offensiv besetzen wollen, ist das Verhältnis zwischen Online und Print, etwa die Sache mit den Bewegtbildern und wie sich das auf die tägliche Arbeit in den Redaktionen auswirkt. Einig waren sich die Mitglieder, dass der DJV als Berufsverband und Gewerkschaft hier aktiv sich einbringen muss, etwa mit Hilfestellungen zu Betriebsvereinbarungen zum Thema, die Bereiche wie Schulung, Arbeitszeit, Equipment, Qualität und rechtliche Fragen klären sollen. Die beiden Fachausschüsse wollen deshalb auch die Expertise aus dem Fachausschuss Bild einholen, wie man dort die Problematik sieht.

Angedacht ist, mit Blick auf das Urteil zu den Gemeindeblättern einen Antrag für den nächsten Gewerkschaftstag zu formulieren, der die Verlage in die Pflicht nehmen soll, ihrer Verantwortung für eine vielfältige und umfangreiche lokale und regionale Berichterstattung gerecht zu werden.

Mit neuen Kräften frisch an die Arbeit

 

Die beiden Fachausschüsse Betriebsratsarbeit und Tageszeitungen haben sich konstituiert / Netzwerk soll aufgebaut werden

 

Die zunehmende Arbeitsverdichtung in den Redaktionen, immer mehr Betriebe, die aus dem Tarif fliehen, die Frage, wie sich junge Nachwuchsjournalisten für den DJV gewinnen lassen, und neue Ideen für die nächsten Tarifrunden bei den Tageszeitungen: Die Arbeit geht den beiden Fachausschüssen Betriebsratsarbeit und Tageszeitungen nicht aus. Bei ihrer jüngsten Sitzung haben sich die zwei Gremien konstituiert: Zum Vorsitzenden wählten die Ausschussmitglieder Christoph Holbein, Stellvertreterin ist Diana Seufert. Die Ausschüsse einigten sich, auch 2019 zweimal in Stuttgart zu tagen.

 

Große Sorge macht den Ausschuss-Mitgliedern die Situation in der Branche. In den Redaktionen dünnt das Personal aus, Redaktionen werden zusammengelegt, die Arbeit verdichtet sich, der einzelne Mitarbeiter muss immer mehr machen: neben dem Schreiben für die Zeitung noch Videos und Audio-Beiträge, Online-Berichterstattung und Facebook. Wichtig sei es deshalb, in den Redaktionen die Arbeitszeit zu erfassen.

 

Diskutiert haben die beiden Gremien auch über Möglichkeiten, den Organisationsgrad des DJV in den Betrieben zu erhöhen und neue Mitglieder zu gewinnen, vor allem auch jungen Menschen, um die Schlagkraft der Gewerkschaft zu erhöhen. Ein weiteres Thema war die wachsende Tarifflucht der Unternehmen. Zum Thema Arbeitsverdichtung wollen die Ausschüsse exemplarisch Beispiele zusammentragen und das Ergebnis in einen Bericht für den Blickpunkt münden lassen. In Sachen Mitgliedergewinnung ist angedacht, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich mal bei anderen Gewerkschaften umzuhören, was dort an Erfahrungen gesammelt ist.

 

Als vorangige Aufgabe erkannt haben die beiden Gremien, in die Betriebe hinein ein Netzwerk aufzubauen, um den Kontakt in die Belegschaften zu haben.

 

Intensiv bewertet haben die Teilnehmer das Ergebnis der Gehaltstarifverhandlungen bei den Redakteurinnen und Redakteuren an den Tageszeitungen. Dabei waren sich alle einig, dass die Gewerkschaft für die nächsten Auseinandersetzungen rechtzeitig vorbereitet sein muss. Nachgedacht haben die Gremiumsmitglieder zudem über neue Varianten für die Verhandlungen, beispielsweise das Augenmerk auch auf qualitative Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen zu legen, um mehr Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Es gehe um ein neues Denken hin zu einem tariflichen Miteinander.

 

Ein Thema war außerdem die Volontärsausbildung in den Betrieben. Das wollen die beiden Fachausschüsse intensiv im nächsten Jahr angehen. Eine Idee dabei ist, eine Podiumsdiskussion mit Chefredakteuren zu veranstalten, um über die Qualität der Ausbildung in den Häusern ins Gespräch zu kommen. 



Ein offenes Ohr für die Probleme


Fachausschüsse Betriebsratsarbeit, Tageszeitungen und Junge suchen den Kontakt zu den Volontären / Ideengruppe gegründet / Thema Sexismus aufgegriffen

 

Von Christoph Holbein

 

Die Situation ist wenig rosig: In einigen Zeitungsverlagen findet keine wirkliche Ausbildung für die Volontäre statt, vielmehr werden die jungen Nachwuchsjournalisten als billige Arbeitskräfte eingespannt und müssen personelle Lücken schließen. Das hat eine Umfrage des DJV Baden-Württemberg unter den Volontären und den Betriebsräten ergeben zum Thema, wie der neue Ausbildungstarifvertrag an den Tageszeitungen umgesetzt wird. Mit den Ergebnissen dieser Erhebung haben sich nun die drei Fachausschüsse Betriebsratsarbeit, Tageszeitungen und Junge bei einer Sitzung in der DJV-Landesgeschäftsstelle in Stuttgart auseinandergesetzt. Dabei zeigte sich, dass die Lage unterschiedlich ist. Es durchaus Häuser gibt, in denen relativ gute Ausbildungsbedingungen vorherrschen. Vor allem zwischen regionalen, kleineren Blättern und größeren Einheiten kommt es zu Unterschieden in der Qualität der Ausbildung. Einig waren sich die Gremiumsmitglieder, dass ein Problembewusstsein zu schaffen und in die Öffentlichkeit hinein zu wirken ist, dass gute und fundierte Ausbildung geleistet werden muss. Damit einher geht, in Kontakt mit den Ausbildungsredakteuren zu kommen, um diesen auch Hilfen seitens des DJV anzubieten, wobei auch kritisch angemerkt wurde, dass die theoretische Ausbildung in der Journalistenakademie des DJV da noch Luft nach oben habe. Das korrespondiert auch mit der Umfrage, in der die Befragten den Wunsch nach mehr Anleitung, mehr Feedback, mehr Schulung und nach mehr Seminaren geäußert haben, ein Gebiet, auf dem der DJV als Partner auftreten könnte. Ähnliches gilt für das Thema Mindestlohn bei Volontären, bei dem der DJV auf der politischen Ebene Druck machen sollte.

 

Ein Weg sei, in die Betriebe zu gehen, in denen die Defizite in der Ausbildung offenkundig seien, und mit den Geschäftsführungen ins Gespräch zu kommen. Angedacht wurde auch, eine kleine Kampagne in den sozialen Medien zu starten. Es gehe darum, die Volontäre über ihre Rechte aufzuklären. Deshalb kam der Gedanke auf, SharePics zu erstellen: markante Bilder, die aus der Fülle der Bilder und Texte in den sozialen Medien herausstechen und Aufmerksamkeit erzeugen. Dabei geht es bei einem SharePic, wie der Name schon sagt, vor allem darum, dass es geteilt wird, um die Reichweite zu steigern. Es geht also um ein aussagekräftiges Bild mit einem kurzen, knackigen Text, das durch seinen Inhalt den Betrachter emotional berührt und von ihm gerne geteilt wird. Um ein solches Projekt zu verwirklichen, ist ein kleines finanzielles Budget notwendig im mittleren 100-Euro-Bereich. Um dieses Vorhaben weiter zu verfolgen, bildete sich aus den drei Fachausschüssen eine kleine vierköpfige Gruppe, die Ideen und Vorschläge erarbeiten wird.

 

Ein Augenmerk sei auch auf die Seminare bei JA und JBB zu richten. Dabei regten die Gremien ein Qualitätsmanagement an mit Feedback-Bogen und Evaluation.

 

Thema bei der Sitzung war daneben, dass es immer wieder Verstöße in den Tageszeitungen gibt gegen das Gebot, redaktionellen Inhalt und Werbung zu trennen. Deshalb entschlossen sich die drei Fachausschüsse, zu dieser Problematik den Presserat zu kontaktieren und dort mit Blick auf Verstöße, die den Gremien vorliegen, nachzufragen.

 

Aufgegriffen haben die drei Fachausschüsse auch die Sexismus-Debatte. Da kam der Vorschlag, in die Betriebe hineinzuhören, um dort nachzuspüren, wie der Umgang mit Frauen aussieht. Die Gremiumsmitglieder stellten zudem die Frage, was der DJV-Landesverband Baden-Württemberg hier leisten kann, etwa über die sozialen Kanäle mögliche Übergriffs-Fälle publik zu machen, eventuell eine Kampagne zu starten. Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Vertreter des DJV das konkret auf der Betriebsebene ansprechen sollten, etwa bei Betriebsversammlungen, um dafür vor Ort zu sensibilisieren. Eine weitere Idee ist, dazu seitens des DJV Schulungen oder Seminare anzubieten, in denen die Teilnehmer lernen, wie sie dieses heikle und sensible Thema richtig angehen. Zudem appellierten die drei Fachausschüsse an die örtlichen Betriebsräte, in ihren Belegschaften hellhörig zu sein.  

 

Neueste Informationen erfuhren die Teilnehmer aus der ersten Runde der Tarifverhandlungen für die Gehälter der Tageszeitungsredakteurinnen und –redakteure. Dabei wurde in die Runde auch nach der Bereitschaft in den Häusern gefragt, sich an eventuellen Warnstreiks zu beteiligen. Angemahnt wurde eine bessere Kommunikation. In diesem Zusammenhang wollen die Fachausschüsse einen Antrag an den Landes-Gewerkschaftstag in Karlsruhe stellen, erneut vorzuschlagen, bei künftigen Tarifverhandlungen regional zu verhandeln, um einen Pilotabschluss zu erreichen. Angesichts ständig zunehmender prekärer Beschäftigungssituationen schlugen die Teilnehmer vor, darauf entsprechend in der Beitragsstruktur des DJV-Landesverbands zu reagieren mit einem geringeren Beitrag oder einer Härtefall-Regelung. Auch die Frage nach einer Kampagne mit Blick auf die Betriebe, die nicht mehr tarifgebunden sind, kam auf den Tisch. Das soll im Landesvorstand angesprochen werden.