Kreisverband Neckar-Alb

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Nachrichten aus dem Kreisverband



Sandra Müller und Michael Würz im Gespräch mit Pia Grund-Ludwig, Vorsitzende des Kreisverbandes Neckar-Alb (von links) über ihre Erfahrungen während der Berichterstattung über die LEA in Meßstetten.
Sandra Müller und Michael Würz im Gespräch mit Pia Grund-Ludwig, Vorsitzende des Kreisverbandes Neckar-Alb (von links) über ihre Erfahrungen während der Berichterstattung über die LEA in Meßstetten.

Zwischen Gerüchteküche

und Glaubwürdigkeit


Mit Vorwürfen, Hetze und Drohungen hatten Sandra Müller und Michael Würz während der Berichterstattung über die Landeserstaufnahmestelle in Meßstetten zu tun. Sie erzählten auf Einladung des KV Neckar-Alb und der DJU von ihren Erfahrungen und wie sie damit umgegangen sind.

Es war eine angespannte Situation, als bekannt wurde, dass in Meßstetten eine Landeserstaufnahmestelle errichtet werden sollen. Im Netz herrschte Hetze statt Willkommenskultur. „Die Zeichen standen auf Randale“, sagt Sandra Müller, die zusammen mit ihrer Kollegin Katharina Thoms die Langzeitreportage für den SWR machte. Doch dann kam alles anders: Die Bürger boten ihre Hilfe an. Sandra Müller hat die Zeit gelehrt, genau hinzuschauen und „was für eine Kraft in so einem kleinen Ort steckt“. Auch der an den Tag gelegte Pragmatismus war für sie lehrreich. „Wir haben ganze Tage dort verbracht um die Stimmung aufzunehmen, ganz ohne Produktionsdruck.“ Die Berichterstattung über die LEA brachte aber auch die intensive Auseinandersetzung mit den Gegnern mit. „Wir waren schnell im Fokus derer, die gegen die LEA waren“, erzählt Michael Würz, Online-Redakteur beim Zollern-Alb-Kurier. Das begann bei Vorwürfen, es würden Informationen vorenthalten werden, über Beleidigungen, Hetze und ging bis hin zu Morddrohungen. „Es ist schwierig, es richtig zu machen“, sagt Würz. Er hatte mit Beginn der Berichterstattung mehrere hundert Kommentare zu bearbeiten, zu löschen. Vielen habe die Debattenkultur mißfallen, so hätten sich die Vernünftigen eher zurückgehalten oder private Nachrichten geschrieben.  

Auch Sandra Müller wurde von den Gegnern persönlich angeschrieben, oft anonym. Sie hat sich sehr lange damit beschäftigt, was ihr geschrieben wurde. Geantwortet hat sie allen auf die erste Nachricht, dadurch habe sich der Ton bei Zweidritteln gemäßigt. „Wir haben uns mit den Kritikern auseinandergesetzt, mit ihnen telefoniert, uns mit ihnen getroffen, wichtig ist, zu erklären, wie man zum Ergebnis in der Berichterstattung kommt.“

Beide haben die Erfahrung gemacht: „Es geht nicht um den Einzelnen, der da schreibt, es geht um die 1000 die mitlesen, sonst bleibt das stehen“, erklärt Sandra Müller. Auf Vorwürfe müsse reagiert werden, damit nicht der Eindruck entstehe, man wüsste nichts darauf zu antworten.

Die Haltung hinter dem Langzeitdreh war zu zeigen, was treibt die Einheimischen um, was macht es mit denen, wenn dort so viele Menschen hinkommen. Im Storytelling stand dann das, was die Leute sagen, erklärte Müller. „Es gibt einen Einblick in die Seele der Meßstetter, die dürfen auch alles sagen, ungefiltert.“

„Die Frage der Haltung ist, wie gehen wir mit der Hetze um“, sagt Würz. „Die Bereitschaft, mit den Leuten zu reden, hilft viel“, sagt Müller. Dadurch baue man auch eine Gemeinschaft auf. „Man räumt so die Chance ein, die Arbeit zu erklären, zu erklären, wie wir zu welchem Schluss kommen.“ Es sei nie darum gegangen, Menschen zu bekehren, erklärt Müller, sondern um die Wahrnehmung nach außen. Einzuordnen, wie ernst die Leser das nehmen können, was die Zeitung, das Radio mache.



Manfred Herbertz (links) und Michael Haager referierten zum Thema Bildrechte. Foto: Anne Leipold
Manfred Herbertz (links) und Michael Haager referierten zum Thema Bildrechte. Foto: Anne Leipold

Workshop Bildrechte:

„Sie dürfen erstmal nichts.“

Was ist als Redakteur bei der Verwendung von Bildern zu beachten? Wie steht's mit der Panoramafreiheit? Welche Rechte haben Fotografen, wie sollten sie ihre Verträge gestalten? Viele Fragen, mit denen sich Michael Haager, DEHR Rechtsanwälte Tübingen, und Manfred Herbertz, Vorsitzender des Fachausschusses Bild des DJV Baden-Württemberg, im Workshop zum Thema Bildrechte des Kreisverbands Neckar-Alb auseinandersetzten.

 

Das Angebot stieß auf großes Interesse, auch die Teilnehmer brachten viele Fragen mit: Was ist, wenn Kinder auf dem Bild sind, wie ist die rechtliche Lage bei Luftaufnahmen und der Verwendung von Online-Inhalten auf Facebook, Twitter, Instagram? Der Anwalt klärte auf über „Fotografische Fallstricke: Panoramafreiheit und Persönlichkeitsrechte“. Ein Leitsatz Haagers: „Sie dürfen erstmal nichts, wenn es nicht ihr eigenes Bild ist.“ Streng genommen gilt das auch bei dem Motiv: Es müsste beispielsweise bei einem Gebäude der Architekt, bei einem Kunstwerk der Künstler gefragt werden. Da diese Regelung lebensfremd ist, gibt es die Panoramafreiheit im Urheberrecht, die es erlaubt von Straßenwegen aus Sichtbares zu fotografieren. „Es darf nur die äußere frei zugängliche Ansicht abgebildet werden“, sagte Haager. Das Presseprivileg greife, wenn es in der Berichterstattung um tatsächliche Vorgänge ginge, um tagesaktuelle Ereignisse und Interesse des Lesers. Mit der sogenannten „Sanssouci-Entscheidung“  bleibe die Zukunft aber offen. 

Immer ein Thema sind Personen im Bild. Diese stellten kein Problem dar, solange sie nicht erkennbar oder Beiwerk seien, die Person also weggedacht werden können, ohne dass sich der Ckarakter des Bildes ändert. Auch Personen, die an einer Versammlung teilnehmen oder eine Person der Zeitgeschichte sind, dürfen fotografiert werden, sagte Haager.

Blieb Manfred Herbertz über die Situation der Fotografen zu berichten. Diese haben ein Recht auf Nennung des Namens. Eine Kampagne des DJV tritt der Praxis der Namenlosigkeit entgegentreten. Zu selten würden die Bilder richtig benannt. Insgesamt seien die freien Fotografen immer stärker eingeschränkt, beispielsweise bei Veranstaltungen. Die Akkreditierung werde immer schwieriger, die Bedingungen unzumutbarer. Hinzu komme der Preisdruck: Zu Dumpingpreisen würden Bilder der Fotografen gekauft, gerade mal 1 Euro sei mitunter der dpa ein Bild wert, erzählt er.

Anne Leipold