Fachausschuss Bildjournalisten


Von Gerd Lache

 

Einen Moment lang nicht aufgepasst und schon ist es passiert: 60 Euro Honorar für ein veröffentlichtes Foto mit einer jungen Frau als Motiv erhalten, aber 6000 Euro Strafe bezahlen müssen, weil sechs Monate bis zur Volljährigkeit der Abgebildeten gefehlt haben. „Sie hat so erwachsen ausgesehen, dass ich einfach vergessen habe zu fragen, wie alt sie ist.“ Das Model war zwar mit der Veröffentlichung einverstanden, nicht aber die Eltern.

 

Diese Begebenheit aus seinem Berufsalltag erzählte ein Mitglied bei der ersten Konferenz des neu gewählten DJV-Fachausschusses (FA) Bild. Das Zusammentreffen fand Corona-bedingt im virtuellen Raum statt. Die Themenliste hat sich schnell gefüllt, sodass die insgesamt neun FA-Mitglieder im Jahr 2021 ausreichen Stoff für Diskussionen, Webinare und sonstige Aktionen haben werden.

 

Als eines der großen Themen  hat sich die Rechtslage für Foto- und Videografen herausgeschält. Was ist bei der DSGVO, der Datenschutzgrundverordnung, alles zu beachten? Sollte man die Abgebildeten grundsätzlich einen sogenannter Model-Vertrag unterschreiben lassen? Hier gibt es dem Fachausschuss zufolge noch Aufklärungsbedarf. Geplant ist deshalb eine interaktive Veranstaltung, in der ein Fach-Jurist unter anderem über das Foto- und Bildrecht aufklären soll.

 

Das leidige Thema Honorare gipfelte in der Feststellung, dass insbesondere Tageszeitungen finanziell kein attraktiver Auftraggeber für Bild-Journalistinnen und -Journalisten mehr sind. Einige der FA-Mitglieder haben sich längst von dieser Medienart verabschiedet, wie sie betonten.  Eine Aussage lautete: „Tageszeitung ist für mich absolut out.“ Erinnert wurde in diesem Zusammenhang an den Bundesverbandstag 2019 in Berlin, bei dem mehrere Kolleginnen und Kollegen aus dem Bildbereich deutlich gemacht hatten: „Ohne PR-Aufträge könnten wir nicht überleben.“

Unisono bedauerten die Fachausschuss-Mitglieder, dass der Qualitätsanspruch der Verlage weiter deutlich gesunken sei. Die Verantwortlichen in den Redaktionen würden ein billiges oder kostenloses, aber schlechtes Foto einer professionellen, guten Aufnahme vorziehen. Diese Entwicklung, verbunden mit dem Vormarsch der Smartphone-Fotografie von Jedermann und Jederfrau kratzt den Schilderungen zufolge empfindlich an der Existenz vieler Profifotografen, die bisher im Medienbereich ihren Unterhalt verdient haben. Unternehmensaufträge werden demnach mehr und mehr ein wichtiges Einkommens-Standbein – zulasten journalistischer Arbeit.

 

Um die qualitativen Leistungen der professionellen Bild-Kolleginnen und –Kollegen hervorzuheben, plant der Fachausschuss einen Foto-Wettbewerb. Daneben soll ein weiterer Wettbewerb für Reportage-Videos oder Clips ausgeschrieben werden. Hier sei aber noch inhaltliche und konzeptionelle Feinarbeit zu leisten.

Apropos Video: Die Mehrheit der Fachausschuss-Mitglieder ist im Bewegtbildbereich aktiv – einige ausschließlich, andere zusätzlich zur Fotografie. Für viele Auftraggeber sei es inzwischen ohnehin selbstverständlich, dass die Bildschaffenden sowohl Foto wie auch Video liefern würden.

 

Der Fachausschuss Bild setzt sich zusammen aus den neun Mitgliedern Manfred Herbertz (stellvertretender Vorsitzender, Kreisverband Hochrhein), Waldemar Herzog ( Stuttgart), Franziska Kraufmann (Stuttgart), Gerd Lache (Vorsitzender, Freiburg), Stefanie Müller (Offenburg/Ortenau), René Priebe (Mannheim/Heidelberg), Andreas Scholz (Heilbronn), Emanuel Zifreund (Neckar-Alb) und Ralf Zwiebler (Ulm/Alb-Donau).

 

Die nächste (virtuelle) Zusammenkunft des FA Bild ist für Anfang März 2021 vorgesehen.

 

 

An der Web-Konferenz des FA Bild nahmen acht von neun Mitgliedern teil (von links oben): Gerd Lache (Vorsitzender), René Priebe, Stefanie Müller, Ralf Zwiebler, Andreas Scholz, Franziska Kraufmann, Emanuel Zifreund und Manfred Herbertz (stellvertretender Vorsitzender).

 

 

© Screenshot Gerd Lache