Fachausschuss festangestellte Redakteur*innen und Betriebsrät*innen bei Medienunternehmen


Zwischen Kurzarbeit und den Fesseln des Tendenzbetriebs

 

Der Fachausschuss für festangestellte Redakteur*innen und Betriebsrät*innen bei Medienunternehmen nimmt sich der aktuellen Themen an

 

Das Thema Kurzarbeit hat die Mitglieder des Fachausschusses für festangestellte Redakteur*innen und Betriebsrät*innen bei Medienunternehmen bei ihrer jüngsten Sitzung beschäftigt. Dabei stellte das Gremium fest, dass in einigen Redaktionen die Kurzarbeit bis ins Frühjahr 2021 verlängert werden soll. Beim Gewerkschaftstag hatte es ja einen Dringlichkeitsantrag zu dem Thema gegeben mit der Intention, an die Verleger zu appellieren, möglichst umgehend die Redaktionen wieder aus der Kurzarbeit herauszuholen, um die Qualität der journalistischen Berichterstattung zu erhalten. Die aktuelle Corona-Lage mit dem erneuten teilweisen Lockdown hat die Situation wieder verschärft. Der Fachausschuss hat sich deshalb dafür ausgesprochen, den Aufruf an die Verleger bis Januar zurückzustellen. Keinesfalls dürfe es aber so sein, dass die Kurzarbeit Arbeitsverdichtung und Qualitätsverlust fördere und forciere. Denn die Journalist*innen müssen ja auch in Corona-Zeiten die Zeitung füllen, benötigen dabei eventuell sogar mehr Zeit und Aufwand, weil es wesentlich schwieriger ist in diesen Zeiten gute Geschichten zu recherchieren jeden Tag. Deshalb sieht der Fachausschuss in vielen Fällen objektiv keinen Grund, Redaktionen in Kurzarbeit zu schicken.

 

Ein weiteres Thema auf der Agenda des Fachausschusses ist die aktuelle Tarifsituation und die ersten Gespräche mit dem BDZV zum Gehalts- und zum Manteltarifvertrag. Da gibt es ja einen Vorstoß der beiden Journalistengewerkschaften, mit den Verlegern grundsätzlich über tarifliche Themen in die Diskussion zu kommen. Die Verlegerseite zeigte sich nicht von vorneherein zugeknöpft für einen solchen Austausch, sieht dafür aber erst Anfang nächsten Jahres terminliche Möglichkeiten. Der Fachausschuss wird das weiter beobachten und seine Expertise einbringen. So werden sich die Gremiumsmitglieder über mögliche Aktionsformen austauschen, mit denen künftige tarifliche Auseinandersetzungen begleitet und unterstützt werden können.

 

Bauchschmerzen bereitet dem Fachausschuss, dass die Arbeit von Betriebsräten in Tendenzbetrieben noch immer durch den Tendenzschutz massiv eingeschränkt ist. Deshalb gab es einen Antrag an den DJV-Bundesverbandstag, der ja aus Corona-Gründen nicht stattgefunden hat, darauf hinzuwirken, dass das Betriebsverfassungsgesetz insoweit novelliert wird, dass der Tendenzschutz für Medienunternehmen herausgenommen wird. Ebenso weiter inhaltlich begleiten will der Fachausschuss den Antrag an den DJV-Bundesverband, eine Anerkennung des Journalismus als gemeinnützig zu erreichen.

 

Auseinandergesetzt hat sich der Fachausschuss zudem mit der Resolution des Gewerkschaftstags. Die Mitglieder wollen dazu ihre Netzwerke nutzen und die Resolution an ihren jeweiligen Landtags- und Bundestagsabgeordneten schicken.

 

Eine weitere Kernerarbeit hat sich der Fachausschuss vorgenommen mit dem Versuch, den Kontakt in die Betriebe und zu den Betriebsräten zu intensivieren, ebenso zu Volontär*innen und dualen Student*innen, um zum einen ein Netzwerk aufzubauen, zum anderen nahe dran zu sein an den Problemen, Sorgen und Nöten vor Ort und den DJV dabei als Ansprechpartner, Unterstützer und Helfer zu offerieren.                                              

 

von Christoph Holbein


Kurzarbeit und Tariftreue: Die Themen gehen nicht aus

 

Der Fachausschuss festangestellte Redakteur*innen und Betriebsrät*innen bei Medienunternehmen hat sich konstituiert.

 

Die Wahl ist jeweils einstimmig ausgefallen: Christoph Holbein aus dem Kreisverband Neckar/Alb ist neuer und damit auch alter Vorsitzender des Fachausschusses für festangestellte Redakteur*innen und Betriebsrät*innen bei Medienunternehmen, vorrangig Tageszeitungen. Ihm zur Seite steht als Stellvertreter Christofer Menges vom Kreisverband Mannheim/Heidelberg. Das Gremium hat sich viel vorgenommen, deshalb wird es zu einer ersten inhaltlich geprägten digitalen Sitzung noch vor Weihnachten zusammenkommen, denn die Themenliste, die es anzupacken gilt, ist lang und umfangreich.

 

Ganz oben steht da zunächst die Corona-Problematik, die sich ja in den vergangenen Tagen wieder verschärft hat, und die damit auch in einigen Redaktionen verbundene noch immer akute Kurzarbeit. Dazu hat es beim jüngsten Gewerkschafstag einen Dringlichkeitsantrag gegeben, seitens des Landesvorstands auf die Zeitungsverlage einzuwirken, im redaktionellen Bereich zur regulären Arbeit zurückzukehren. Das gilt es zu beobachten vor allem auch mit Blick auf die aktuellen Pandemie-Entwicklungen. 

 

Brandaktuell ist auch die Debatte über die künftigen Gehalts- und Manteltarifverhandlungen. Dazu liegen verschiedene Ideen auf dem Tisch, die der Ausschuss zu sondieren, zu diskutieren und zu kommentieren hat, beispielsweise die Frage nach einer verbindlichen Arbeitszeiterfassung. 

 

Entscheidend für die Arbeit des Ausschusses wird sein, die Kontakte in die Betriebe zu intensivieren, dort Ansprechpartner zu finden und so die Liste der Vertrauenspersonen in den Unternehmen zu aktualisieren und zu ergänzen. In diese Richtung geht auch die Idee, mit den Volontär*innen und dualen Student*innen in den Unternehmen stärker in Kontakt zu kommen, um sich deren Sorgen, Nöte und Anliegen anzuhören, sich für deren Belange einzusetzen und eventuell auf diesem Weg auch Nachwuchs für den Verband zu gewinnen.

 

Weitere Themen, die das Gremium mit fachlicher Kompetenz, Sachverstand und inhaltlichen Anregungen begleiten möchte, sind die Forderungen, den Tendenzschutz abzuschaffen, das Tariftreue-Gesetz bei öffentlichen Vergaben einzuhalten, die Zeitungsverlage zur umfassenden Berichterstattung im lokalen Bereich anzumahnen, und darauf hinzuwirken, journalistische Projekte in den Katalog der gemeinnützigen Zwecke aufzunehmen. 

 

Ein großes Themenfeld sind die Bedrohungen der Presse- und Meinungsfreiheit, vor allem vom rechten politischen Spektrum. Da wird der Fachausschuss seine Expertise einbringen und über sein Netzwerk diese gesellschaftspolitische Debatte begleiten. 

 

Zwischen Kurzarbeit und Tariftreue: Die Themen also werden in den nächsten zwei Jahren der Amtsperiode des Fachausschusses nicht ausgehen - so viel ist sicher.