Fürs Mentoring gibts kein Patentrezept: So erleben zwei Mitglieder ihr DJV-Mentoring-Jahr

 

Das Mentoring-Programm etabliert sich als festes Angebot des Landesverbandes. Ein Mentor und ein Mentee berichten im Gespräch mit Vorstandsmitglied Emanuel Hege, wie sie ihren Rhythmus gefunden haben und warum ein erfolgreiches Mentoring nicht unbedingt viel Zeit braucht.

Emanuel: Ich habe euch durch das Mentoring-Programm mittlerweile ein bisschen kennengelernt, weiß aber tatsächlich nicht, wie ihr überhaupt auf das Mentoring gekommen seid. Dominic, hast du dir anfangs nicht sogar überlegt, Mentor zu werden anstatt Mentee?

Dominic: Ja genau, ich hatte dir rückgemeldet, dass ich mir vorstellen könnte, Berufseinsteiger zu begleiten. Dann wechselte ich aber in einen großen Konzern und hatte das Anliegen, mit jemanden zu sprechen, der solche Strukturen kennt. Und um das vorwegzunehmen: mit Frank hab ich da einen Mentor gefunden, der perfekt gepasst hat.  

Emanuel: Und wieso hast du dich angemeldet, Frank?

Frank: Ich finde das Mentoring eine gute Möglichkeit, Berufserfahrungen weiterzugeben. Ich bin bereits seit einiger Zeit Gastdozent an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Die Studierenden haben ein großes Verlangen nach Berichten und Tipps aus der Praxis. Mit über 40 Jahren Berufserfahrung helfe ich da sehr gerne aus.

Emanuel: Zum Start des Mentoring-Programms gibt es zwei Online-Treffen. Das erste ist eigentlich nur eine Art Schnuppertermin, ich berichte vom Ablauf des Mentorings und die Tandems sollen sich das erste Mal kennenlernen. Die Idee: Falls Mentor oder Mentee gleich bemerken, das passt gar nicht, kann man noch reagieren und ich schaue mich nach einem anderen Partner um. Der Schnuppertermin ist also eigentlich nicht der Startpunkt für die inhaltliche Arbeit. Ihr habt aber direkt losgelegt, das war etwas ungewöhnlich.

Dominic: Wir hatten bei diesem ersten Kennenlernen ziemlich schnell einen guten Austausch und das Gefühl, dass die Zeit nicht ausgereicht hat.

Frank: Und dann kam hinzu, dass bei dir der Einstieg bei der BNP bevorstand. Da konnte ich dir gleich helfen und sozusagen von Beginn an Teil der Geschichte sein.

Emanuel: Durch Dominics Jobwechsel habt ihr schnell einen ganz individuellen Weg gefunden, euch zu helfen. Und das ist auch das Ziel des Mentorings: Nicht nach Schema F vorzugehen, sondern selbst herausfinden, wie man sich helfen kann. Habt ihr euch in den Wochen nach dem Jobwechsel irgendeine Struktur zurechtgelegt?

Frank: Ich denke, das kommt eher aus dem Bauch heraus, und aus der Erfahrung. Klar gibt es immer mal wieder Fragen auf professioneller Ebene, bei denen ich mich nochmal zurückziehen und nachdenken muss. Beim Mentoring überwiegen jedoch persönliche Themen, denen man sich durch offene Gespräche nähert.

Dominic: Irgendwann haben wir einen Rhythmus gefunden und telefonieren jetzt alle zwei Wochen eine halbe Stunde. Für mich ist das ein Raum, in dem ich eine Situation schildere und Frank spiegelt diese dann mit seiner Erfahrung wider. Ich frage also nicht alle zwei Wochen, wie ich eine Pressemitteilung einleiten soll – es geht beispielsweise darum, wie ich am besten mit meinen Kollegen umgehe.

Emanuel: Interessant. In meiner Vorbereitung auf das Programm habe ich viel darüber nachgedacht, wie viel Struktur ich euch mit auf den Weg geben soll. Beispielsweise eine Vorgabe, wie oft ein Tandem sich pro Monat sprechen sollte. Oder einen finalen Termin aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bei dem man die gesetzten Ziele auf den Prüfstand stellt. So wie ich das bei euch wahrnehme, ist aber weniger mehr.

Dominic: Das sehe ich auch so. Diese Auftaktveranstaltungen sind gut, um sich kennenzulernen und Ziele zu setzen. Mehr braucht es meiner Meinung aber nicht. Den Rest muss man als Tandem dann selbst herausfinden.

Emanuel: Während der Organisation des Mentorings gibt es für mich eine besonders knifflige und wichtige Aufgabe: Immer wieder das richtige Match zu finden. Wichtig ist, dass Mentor und Mentee fachlich zueinander passen, die Lebensrealität muss ähnlich sein und drittens sollten sie in der Nähe voneinander wohnen. Zwei dieser drei Punkte müssen meiner Ansicht nach passen, damit das Mentoring ein Erfolg wird und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufrieden sind. Ich glaube, bei euch hatte ich ein gutes Händchen. Hattet ihr während eurer bisherigen Zeit irgendwelche Erfolge, die hervorstechen?  

Frank: Ich glaube, die Antwort liegt im Kleinen. Es gibt Zeiten, an denen wir einfach nur reden und Zeiten, an denen wir ein konkretes Thema bearbeiten. Das trägt Steinchen für Steinchen dazu bei, dass sich die Dinge für den Mentee entwickeln.

Dominic: Die Highlights des Mentorings sind nicht an bestimmten Outputs festzumachen. Die Highlights sind die vielen Momente, in denen du, Frank, kritische Situationen mit deiner Expertise einordnest.

Emanuel: Frank, hast du eigentlich auch etwas von Dominic gelernt?

Frank: Ja, klar. Es war sehr gut, dass Dominic frei über sich und seine Themen spricht. Das hat mir den Mut gegeben, mich auch stärker zu öffnen. Dadurch reden wir nicht um den heißen Brei herum. Sich wirklich mit einer Person auseinanderzusetzen und einen Beitrag zu leisten ist etwas, dass mir Lust auf Mentoring gemacht hat.

Emanuel: Das alles klingt effektiv, gleichzeitig aber auch locker und unbeschwert. Ich habe manchmal die Befürchtung, dass unsere Mitglieder ein bisschen zu viel Respekt vor dem Mentoring haben. Viele von uns fühlen sich im Beruf, in der Familie und in der Freizeit ausgelastet, wenn nicht sogar überlastet, und winken deshalb beim Thema Mentoring ab. Sie haben Sorge, sich eine zu große Verantwortung aufzuhalsen. Bei euch, aber auch bei anderen Tandems sehe ich, dass das Mentoring auch einfach nebenbei passiert. Es wird nicht als Belastung wahrgenommen, sondern als Bereicherung.

Frank: Für mich war es wichtig, mich ein Stück weit zu verpflichten. Den Umfang und den Umgang miteinander müssen die Mentoren und Mentee sich selbst erarbeiten. Wir sind ja alle erwachsen und können dem Gegenüber sagen, wenn es zu viel wird.  

Emanuel: Und wie geht man mit Rückschlägen um? Während so eines Mentoringjahres bleiben die Tandems sicherlich an irgendeinem Punkt auch mal stecken.

Dominic: Tatsächlich ist das bei uns aktuell ein bisschen der Fall. Ich bin in Elternzeit, daher ist unser Mentoring gerade eingefroren. Ich denke, es kommt immer wieder zu größeren beruflichen oder persönlichen Veränderungen. Für das Mentoring ist es dann einfach wichtig, das frühzeitig anzukündigen und den Gesprächsfaden nicht komplett abreißen zu lassen. Ich hoffe, dass wir die Gespräche bald auch wieder aufnehmen.

Frank: Du meldest dich, wenn du wieder Zeit hast, kein Thema.

Emanuel: Wem würdet ihr das Mentoring-Programm eigentlich weiterempfehlen und wem nicht?

Dominic: Ich würde jeder Person im Berufsleben empfehlen, sich hin und wieder einen Resonanzraum mit einer anderen Person zu suchen. Gerade in Veränderungsphasen ist das total hilfreich. Das muss aber nicht der Jobwechsel sein, auch beim Renteneintritt braucht man Hilfe. Wo ich eine Grenze sehe: Wenn die Zusammenarbeit zu einer Art Therapie wird, dafür ist das Mentoring nicht der richtige Rahmen.

 

Frank: Beim Mentoring braucht es erstens die Bereitschaft, sich auf eine fremde Person einzulassen und Wissen sowie Erfahrung weiterzugeben. Zweitens muss man akzeptieren, dass wir keine Patentrezepte haben. Es ist also schwierig, wenn ein Mentee mit der Erwartung herangeht, eine Gebrauchsanweisung für alle möglichen Situationen zu bekommen. Es geht um den Dialog, durch den man sich weiterentwickelt.


Dominic Egger ist Mentee und arbeitet als Communication Manager und Pressesprecher bei BNP Paribas Deutschland.

 

Frank Gaube ist Mentor und arbeitet als Leiter der Investor Relations bei der Porsche Automobil Holding.

 

Emanuel Hege ist Mitglied des Landesvorstandes und leitet das Mentoring-Programm des DJV Baden-Württemberg.


Neugierig geworden und Lust mitzumachen? Wen Sie am Mentoring-Programm teilnehmen wollen, schreiben Sie bis Ende August eine formlose Mail an Vorstandsmitglied Emanuel Hege hege@djv-bw.de